Die verschiedenen Impfstoff-Typen

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von Impfstoffen: Lebend- und Totimpfstoffe. Alle Impfstoffe enthalten Impfantigene, die in der geimpften Person eine Immunantwort auslösen was zur Ausbildung von schützenden Antikörpern führt. So wird eine geimpfte Person immun gegen eine Erkrankung. Als Impfantigene können ganze Erreger oder Teile eines Erregers fungieren.

Sowohl Lebend- als auch Totimpfstoffe können als Kombinationsimpfstoffe formuliert sein. Sie enthalten 2 bis 6 Komponenten, z. B. der Lebendimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln (MMR), die inaktivierten Impfstoffe Tetanus und Diphtherie (Td) oder Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Poliomyelitis (Td-ap-IPV) oder die Fünffach- bzw. Sechsfach-Impfstoffe für Säuglinge gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Poliomyelitis, Hib-Erkrankungen und Hepatitis B.

Lebendimpfstoffe

Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte, vermehrungsfähige Impfkeime. Zu den Lebendimpfstoffen gehören z. B. die Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln, Windpocken und Gelbfieber. Derzeit gibt es nur einen bakteriellen Lebendimpfstoff in Deutschland, den oralen Typhus-Impfstoff.

Lebendimpfstoffe können die Erkrankung selbst nicht auslösen. Eventuell treten nach einer Lebendimpfung dennoch leicht Krankheitssymptome auf („Impfkrankheit“), wie beispielsweise ein masernähnlicher Ausschlag nach einer Masern- bzw. Masern-Mumps-Röteln-Impfung. Lebendimpfstoffe werden meist nur 1- oder 2-Mal gegeben und müssen nur selten aufgefrischt werden.

Totimpfstoffe

Totimpfstoffe werden auch als inaktivierte Impfstoffe genannt. Sie enthalten entweder ganze abgetötete Viren oder Bakterien oder nur bestimmte, für die Immunantwort relevante Bestandteile der Erreger, die Antigene. Dementsprechend tragen sie unterschiedliche Bezeichnungen, siehe weiter unten. Totimpfstoffe werden meist mehrfach gegeben und müssen regelmäßig aufgefrischt werden.

Fast alle heute verwendete Impfstoffe sind Totimpfstoffe z. B. die Impfstoffe gegen Tetanus, Diphtherie, Influenza, Keuchhusten, Pneumokokken, Meningokokken und auch die COVID-19-Impfstoffe.

Typen von Totimpfstoffen

Ganzkeimimpfstoffe

Impfstoffe, die den kompletten abgetöteten Erreger enthalten, bezeichnet man als Ganzkeimimpfstoffe. Inaktivierte (abgetötete) Viren enthalten z. B. die Impfstoffe gegen Hepatitis-A, FSME, Tollwut und Kinderlähmung (Polio). Abgetötete Bakterien sind in der Cholera-Schluckimpfstoff enthalten. Die Erreger, Viren oder Bakterien, werden für die Herstellung der Ganzkeimimpfstoffe in großen Mengen vermehrt und danach chemisch und/oder physikalisch, z. B. durch Hitze, abgetötet.

Toxoid-Impfstoffe

Die Erkrankungen Tetanus und Keuchhusten (Diphtherie) werden nicht direkt durch die Tetanus- bzw. Diphtherie-Bakterien ausgelöst, sondern durch die Toxine, die diese Bakterien bilden. Impfstoffe gegen Tetanus und Diphtherie stellen eine Besonderheit dar, weil sie nicht gegen den bakteriellen Erreger selbst, sondern gegen die von ihnen gebildeten Toxine gerichtet sind. Diese sogenannte Toxoid-Impfstoffe enthalten inaktivierte, also unwirksam gemachte Toxine (=Toxoide) als Impfantigene und vermitteln eine Immunität gegen diese Toxoide.

Polysaccharidimpfstoffe

Diese Impfstoffe enthalten Teile des Zuckerkapsels (sog. Polysaccharidkapsels) bakterieller Erreger, die als Antigene die Immunantwort auslösen. Beispiele sind die Impfstoffe gegen die ‚Lungenentzündung‘, wie sie umgangssprachlich oft bezeichnet werden. Diese Pneumokokken-Polysaccharidvakzinen gibt es bereits seit den 1970er Jahren.

Konjugatimpfstoffe

In den sog.Konjugatimpfstoffen werden Zuckerkapselstücke der Bakterien an Trägerproteine (Eiweiße)gekoppelt – konjugiert. Konjugatimpfstoffe haben den Vorteil, dass Sie wegen des Trägerproteins einen stärkeren Immunantwort auslösen können. Derzeit sind in Deutschland Konjugatimpfstoffe gegen folgenden bakteriellen Erreger verfügbar: Haemophilus influenzae Typ b [Hib], Pneumokokken (10- bzw. 13-valent), Meningokokken Typ C bzw. ACW135Y.

Totimpfstoffe, die Proteine als Impfantigen enthalten

Als Impfantigen enthalten Protein-basierte Impfstoffe nur einzelne Oberflächeneiweiße von Viren oder Bakterien. Diese Eiweiße können entweder direkt aus dem Erreger gewonnen werden, wie im Falle der Influenza-Spaltimpfstoffe, oder sie werden biotechnologisch hergestellt.

Spaltimpfstoffe
Spaltimpfstoffe, wie z. B. die traditionellen Influenza-Impfstoffe, enthalten ‚gespaltene‘ also zerkleinerte Erreger. Für Spalt-Impfstoffe werden gezüchtete Erreger mit Detergenzien oder anderen Chemikalien zerstört und die relevanten Protein-Antigene aufgereinigt.

Komponenten(Subunit)-Impfstoffe und Impfstoffe, die virusartige Partikel enthalten
Mit modernen molekularbiologischen Methoden werden die Impfantigene der sog. Komponenten (Subunit)-Impfstoffe und Impfstoffe, die virusartige Partikel enthalten (englisch: virus-like particle, VLP) hergestellt und haben den Vorteil, dass keine Pathogene angezüchtet werden müssen.

Die sogenannten virusartige Partikel sind „leere“ Viruskapseln aus Erregereiweißen, die sich im Körper nicht vermehren können, da sie keine Erbinformation enthalten, aber eine Immunantwort auslösen können. Diese Technologie wird besonders bei Impfstoffen gegen Viren verwendet, die sich nur schwer züchten lassen. Auf diesem Weg werden z. B. die Impfstoffe gegen Gebärmutterhalskrebs und Hepatitis B hergestellt.

Impfstoffe, die genetisches Material enthalten:
mRNA- und Vektorimpfstoffe

Diese Impfstoffe basieren auf der Idee, dass der Körper die Impfantigene selbst produzieren soll. Dafür wird nur die genetische Information für die Antigene mit dem Impfstoff in den Körper eingebracht. Die Antigene werden anhand dieses „Bauplans“ auf dem normalen Syntheseweg der Zellen produziert.
Die mRNA-Impfstoffe enthalten die Boten-RNA (englisch: messenger-RNA, mRNA), die die Vorlage für die Synthese des Antigen-Proteins ist.  mRNA-Impfstoffe spielen bereits länger bei der modernen Krebstherapie eine Rolle. Zwei, der in der EU zugelassenen COVID-19-Impfstoffe, basieren auf mRNA.
Die sogenannten Vektorimpfstoffe enthalten harmlose Trägerviren mit der genetischen Information für das Antigen in Form von DNA und dienen als Transportvehikel (Vektoren) in die Zelle. Beispiel dafür ist ein COVID-19-Vektorimpfstoff.


Erstellt am 13.10.2021

Quellen:

  1. www.aerzteblatt.de/archiv/214122/Genbasierte-Impfstoffe-Hoffnungstraeger-auch-zum-Schutz-vor-SARS-CoV-2
  2. www.vfa.de/print/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/impfstoffe-zum-schutz-vor-coronavirus-2019-ncov
  3. PEI: Fragen und Antworten – Entwicklung von Impfstoffen
  4. Julian Schilling, Impfstoffe und Fachbegriffe: Was bedeutet rekombinant, subunit, lebend oder tot? DoXMedical Nr. 2/2008
  5. Fachinformation der Impfstoffe
  6. de.wikipedia.org/wiki/Influenzaimpfstoff

Impfstoffsicherheit

Stellungnahme von PEI zur Impfstoffqualität und -sicherheit

Impfstoffe gehören zu den sichersten Arzneimitteln, die wir haben. Bevor ein Impfstoff auf den Markt kommt, muss er ein umfassendes Zulassungsverfahren durchlaufen, entweder in Deutschland oder bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA. In Deutschland wird zudem im Rahmen der so genannten staatlichen Chargenprüfung jede einzelne Impfstoff-Charge geprüft. Außerdem überprüfen Mediziner des Paul-Ehrlich-Instituts auch nach der Zulassung weiterhin die Verträglichkeit der Impfstoffe.

"Impfstoffe sind verträglich, sicher und wirksam. Der Einsatz von Impfstoffen befreit uns und unsere Kinder weitgehend von der Bedrohung unserer Gesundheit durch verschiedene Infektionskrankheiten."
Lesen Sie die vollständige Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats des Paul-Ehrlich-Instituts zur Qualität und Sicherheit von Impfstoffen.

Die Anforderungen an die Sicherheit von Impfstoffen sind höher als etwa an Arzneimittel zur Behandlung schwer erkrankter Personen. Denn es sind in der Regel gesunde Kinder, Jugendliche und Erwachsene, welche geimpft werden.